Wurzelspitzenresektion

Dauer der Behandlung: ab 30 Minuten
Betäubung: örtliche Betäubung, Dämmerschlaf, Vollnarkose
Nachbehandlung: Wundkontrollen nach 1 und 3 Tagen
Fadenzug: nach 7 Tagen
Gesellschaftsfähigkeit: nach 2 – 7 Tagen
Kosten: ab 100 Euro

Mund_Wurzelspitzenresektion

Nicht immer kann eine Wurzelbehandlung die Entzündung einer Zahnwurzel dauerhaft beseitigen. Dann ist eine Wurzelspitzenresektion oft die letzte Möglichkeit, den Zahn zu erhalten. Die Entfernung (Resektion) der Zahnwurzelspitze ist bei chronisch entzündlichen Prozessen an der Zahnwurzel eine effektive chirurgische Maßnahme, um das Ziehen eines Zahnes zu verhindern. Ziel der endodontischen Behandlung ist es, das entzündlich veränderte Gewebe vollständig zu entfernen und den Zahn dauerhaft gegen das erneute Eindringen von Bakterien zu schützen.

Ob eine Wurzelspitzenresektion sinnvoll ist, hängt vom Grad der Beschädigung des Zahnes ab. Voraussetzung ist auch, dass der Zahn nach der Wurzelbehandlung mit einer Überkronung versehen werden kann, die eine Fraktur wirksam verhindert.

Wann ist eine Wurzelspitzenresektion erforderlich?

Wenn eine Wurzelbehandlung nicht zum Ziel geführt hat, kann eine Wurzelspitzenresektion eine gangbare Alternative zur Extraktion sein. Der Wurzelkanal des Zahnes bildet an der Wurzelspitze zahllose kleine Verzweigungen. Hier siedeln sich besonders leicht eingedrungene Keime an, die dann zu einer Entzündung der Wurzelspitze führen. Die feinen Verästelungen verlaufen bei jedem Patienten anders und können bei einer Wurzelbehandlung nicht immer vollständig gefüllt und abgedichtet werden. Mitunter erschweren auch anatomische Besonderheiten der Wurzel die Behandlung. Verläuft sie zum Beispiel stark gekrümmt, so gestaltet es sich schwierig, den Wurzelkanal vollständig von entzündetem Gewebe zu befreien und keimfrei zu reinigen. Bleiben Bakterien im Wurzelkanal zurück, kann sich erneut eine Entzündung entwickeln. Bei der Wurzelspitzenresektion werden diese bakterienbesiedelten Aufzweigungen an der Spitze der Wurzel operativ entfernt.

Dies können weitere Gründe für eine Wurzelspitzenresektion sein:

  • Es liegen Zahnverletzungen wie der Bruch der Wurzel im unteren Drittel vor.
  • Bei einer vorangegangenen Wurzelbehandlung ist Füllmaterial aus der Wurzel ausgetreten.
  • Es ergeben sich im Röntgenbild Anzeichen für ein Tumorgeschehen oder wurzelnahe Zysten.
  • Bei einer Wurzelbehandlung sind Teile mikrochirurgischer Instrumente abgebrochenen und im Wurzelkanal verblieben.

Wie läuft eine Wurzelspitzenresektion ab?

Im Vorfeld erstellen wir zunächst eine digitale Röntgenaufnahme. Auf dem Röntgenbild zeigen sich die entzündeten Bereiche in einem deutlich sichtbaren schwarzen Fleck (apikale Aufhellung). Das bildgebende Verfahren gibt Aufschluss, ob eine Wurzelspitzenresektion indiziert ist.

Eine Wurzelspitzenresektion kann in unserer Praxisklinik in München mit lokaler Anästhesie, im Dämmerschlaf (Medikation kombiniert mit Analgosedierung) oder in Vollnarkose mit Intubation durchgeführt werden. Welche Option jeweils die Richtige ist, hängt vom Allgemeinzustand und den individuellen Wünschen des Patienten ab. Dies klären wir in einem ausführlichen Beratungsgespräch mit dem Patienten ab.

Um die Wurzelspitze entfernen zu können, verschaffen wir uns über den Kieferknochen Zugang zur entzündeten Zahnwurzel. Dazu öffnen wir zunächst das darüberliegende Zahnfleisch sowie die Haut, die den Knochen umhüllt. Nun wird das Gewebe beiseite geschoben, damit der Knochen frei zugänglich ist. Nun gilt es, Knochenmaterial abzutragen, um an die entzündete Wurzelspitze zu gelangen. Dies geschieht mit einer speziellen kleinen Knochenfräse, die unter stetiger Kühlung vorsichtig Schritt für Schritt den Bereich des Knochens abträgt, der direkt vor der Wurzelspitze liegt. Ist die Zahnwurzel freigelegt, kürzen wir die Wurzelspitze um einige Millimeter und glätten die Schnittfläche. Je nach individueller Ausgangslage ist mitunter eine stärkere Kürzung der Wurzelspitze erforderlich, um den Entzündungsherd vollständig zu entfernen. Dies kann zum Beispiel bei einer anormalen Krümmung des Wurzelkanals der Fall sein. Die weitere Vorgehensweise hängt davon ab, ob es sich um eine retrograde oder orthograde Wurzelspitzenresektion handelt.

Retrograde Wurzelspitzenresektion

Bei einer retrograden Wurzelspitzenresektion fand im Vorfeld schon eine Wurzelbehandlung statt. Das heißt, der Wurzelkanal besitzt bereits eine Füllung, unter der sich ein Entzündungsherd gebildet hat. Bei diesem Eingriff wird der Wurzelkanal vom gekürzten Ende her erweitert, desinfiziert und mit einem speziellen bioaktiven Füllmaterial aus Mineraltrioxidaggregat (MTA) versehen.

 

Illustration Retrograde Wurzelspitzenresektion

Orthograde Wurzelspitzenresektion

Hier ging der Resektion keine Wurzelbehandlung voraus – der Wurzelkanal enthält also noch keine Füllung. Bei dieser Ausgangslage verschafft sich der Zahnarzt zusätzlich über die Zahnkrone Zugang zur Zahnwurzel. Danach wird der Wurzelkanal erweitert und nach höchsten hygienischen Standards desinfiziert und getrocknet, um Keimfreiheit zu garantieren. Nun wird zur Verstärkung ein Acrylstift auf Klemmpassung eingesetzt, der mit einem speziellen Dentalzement (AH26) bestrichen ist. Der Wurzelkanal wird dann so verschlossen, dass keine Bakterien mehr in die Wurzel eindringen können.

 

Illustration Orthograde Wurzelspitzenresektion

Abschließende Behandlungsschritte

Im nächsten Schritt wird nach sorgfältiger Reinigung der Knochenhöhle das Gewebe und das Zahnfleisch mit einer Naht verschlossen. Anschließend folgt eine Kontrolle des erreichten Ergebnisses anhand einer Röntgenaufnahme. Zum Ende des Eingriffs wird die Zahnkrone mit einem provisorischen Verschluss versehen. Wenn die Wundheilung vollständig abgeschlossen ist, kann sie durch eine endgültige Füllung ersetzt werden.

In den meisten Fällen erfolgt der operative Eingriff von außen durch den Kieferknochen. Bei den Seitenzähnen des Oberkiefers dagegen ist in manchen Fällen auch ein zusätzlicher Zugang vom Gaumen aus erforderlich. Dies hat vor allem damit zu tun, dass die Backenzähne (Molaren) im Oberkiefer drei oder mehr Wurzeln besitzen. Sind diese weit auseinandergespreizt, ist der Zugang von einer Seite nur schwer möglich.

Was ist nach einer Wurzelspitzenresektion zu beachten?

Direkt nach der Behandlung können leichte Schwellungen im Bereich der Wange auftreten, die schon nach wenigen Tagen abklingen. Häufiges Kühlen wirkt diesen Schwellungen entgegen und lindert auftretende Beschwerden. Der Patient erhält zu diesem Zweck ein Kühlpack von uns.

Der Patient darf keine Speisen zu sich nehmen, solange die Betäubung noch nicht vollständig abgeklungen ist. Zudem sollte er in den ersten 24 Stunden nach dem Eingriff auf Kaffee oder schwarzen Tee verzichten und nicht rauchen. Wir empfehlen unseren Patienten, sich am Tag nach der Wurzelspitzenresektion zu schonen und anstrengende körperliche Aktivitäten zu vermeiden. Sie sorgen für eine unerwünschte übermäßige Durchblutung der Wunde, die den Heilungsprozess ungünstig beeinflusst. In der Zeit nach dem Eingriff sollte der Patient auf gründliche Mundhygiene achten. Sie ist unabdingbare Voraussetzung für einen komplikationslosen Heilungsverlauf.

Sobald die Weichgewebswunde verheilt ist, können die Fäden entfernt werden. Dies ist nach 7 – 10 Tagen der Fall. Die Abheilung des Kieferknochens nimmt deutlich mehr Zeit in Anspruch. Hier kontrollieren wir nach Ablauf von 3 – 6 Monaten mit einer Röntgenaufnahme, ob der Heilungsprozess wie gewünscht verläuft.

Kontakt

Der Patient steht bei uns im Mittelpunkt – deshalb sind wir auch außerhalb der Öffnungszeiten rund um die Uhr mobil zu erreichen. Sie haben Fragen zum Thema Wurzelspitzenresektion oder wünschen einen Beratungstermin? Dann kontaktieren Sie uns gerne telefonisch unter 089 / 189 043 311 oder schreiben Sie uns über das Kontaktformular.